Rückenerkrankungen wie Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalverengungen oder altersbedingter Verschleiß gehören zu den häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen. Am Loretto-Krankenhaus in Freiburg setzt die Wirbelsäulenchirurgie deshalb zunehmend auf ein besonders schonendes Operationsverfahren: die endoskopische Wirbelsäulenchirurgie.
Bei dieser minimalinvasiven Methode arbeiten die Operateure mit sehr feinen Instrumenten, die kaum breiter sind als ein Stift. Über kleine Hautschnitte wird ein Endoskop eingeführt, das hochauflösende Bilder aus dem Körperinneren liefert. So können krankhafte Veränderungen präzise behandelt werden – bei möglichst geringer Belastung für das umliegende Gewebe.
Ein medizinischer Meilenstein mit langer Entwicklung
Die Übertragung endoskopischer Techniken auf die Wirbelsäule gilt als wichtiger Fortschritt in der modernen Medizin. In anderen Fachgebieten wie der Knie- oder Bauchchirurgie sind solche Verfahren bereits seit Jahrzehnten etabliert. Erste Anwendungen an der Wirbelsäule gab es schon in den 1980er-Jahren. Während sich die Methode zunächst vor allem in Asien weiterentwickelte, wurde sie in Deutschland erst in den vergangenen Jahren flächendeckend eingeführt.
Heute zählt das Loretto-Krankenhaus zu den erfahrenen Zentren auf diesem Gebiet.
Schonender Zugang statt großer Schnitte
Der wesentliche Unterschied zur klassischen Operation liegt im Zugangsweg. Bei herkömmlichen Eingriffen wird häufig von hinten operiert, wobei Muskulatur und Bandstrukturen teilweise gelöst werden müssen. Die endoskopische Technik ermöglicht dagegen oft einen seitlichen Zugang über den Nervenaustrittskanal.
Dadurch bleibt die wichtige Rückenmuskulatur weitgehend unversehrt. Das bedeutet für Patientinnen und Patienten:
- weniger Schmerzen nach der Operation
- geringeres Infektionsrisiko
- schnellere Mobilisation
- kürzere Krankenhausaufenthalte
Im Durchschnitt verkürzt sich die Liegezeit im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren etwa um die Hälfte.
Wissenschaftlich belegte Vorteile
Die positiven Effekte der endoskopischen Wirbelsäulenchirurgie sind durch zahlreiche Studien belegt. Eine große Untersuchung aus dem Jahr 2021 zeigte, dass Patientinnen und Patienten nach endoskopischen Eingriffen über weniger Schmerzen, geringeren Blutverlust und eine schnellere Genesung berichteten als nach offenen Operationen.
Diese Ergebnisse tragen dazu bei, Ängste vor notwendigen Eingriffen abzubauen. Viele Betroffene wenden sich heute gezielt mit dem Wunsch nach einer endoskopischen Behandlung an das Loretto-Krankenhaus.
Nicht für jeden Fall geeignet
Trotz aller Vorteile ist die Endoskopie nicht für jede Erkrankung die richtige Wahl. An der Universitätsklinik Freiburg wird das Verfahren ebenfalls eingesetzt, jedoch nur bei einem Teil der Patientinnen und Patienten. In vielen Fällen kommen dort andere minimalinvasive Techniken unter dem Operationsmikroskop zum Einsatz.
Auch am Loretto-Krankenhaus gilt: Instabile Wirbelsäulenbrüche oder ausgeprägte Fehlstellungen müssen weiterhin mit Schrauben und Stäben stabilisiert werden. Die Endoskopie wird vor allem bei Bandscheibenvorfällen, bestimmten Tumoren, Infektionen sowie bei Spinalkanalverengungen angewendet – an der Lenden-, Brust- und teilweise auch an der Halswirbelsäule.
Erfahrung, Ausbildung und Forschung
Seit dem Neuaufbau der Wirbelsäulenchirurgie im Jahr 2009 und der systematischen Einführung der Endoskopie ab 2013 wurde die Methode am Loretto-Krankenhaus kontinuierlich weiterentwickelt. Heute beherrschen alle Operateure des Hauses diese Technik.
Als akademisches Lehrkrankenhaus bildet das Loretto zudem Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung aus. Parallel dazu wird intensiv geforscht – in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Freiburg sowie internationalen Partnern. Dabei werden unter anderem Behandlungsergebnisse, Komplikationsraten und Genesungszeiten ausgewertet.
Innovative Navigation für mehr Sicherheit
Aktuell beteiligt sich das Loretto-Krankenhaus an einer Studie zur Weiterentwicklung moderner Navigationssysteme. Bei endoskopischen Eingriffen muss zunächst eine sehr feine Nadel exakt platziert werden. Bisher war dafür häufig eine wiederholte Röntgenkontrolle notwendig.
Neue elektromagnetische Navigationssysteme ermöglichen es, die Position der Nadel präzise darzustellen, ohne zusätzliche Röntgenaufnahmen. Dadurch wird die Strahlenbelastung für Patientinnen, Patienten und das OP-Team deutlich reduziert.
Individuelle Beratung steht im Mittelpunkt
Trotz moderner Technik gilt ein wichtiger Grundsatz: Nicht jede Rückenbeschwerde muss operiert werden. Rund 40 Prozent der Patientinnen und Patienten werden am Loretto-Krankenhaus zunächst konservativ behandelt, zum Beispiel mit Physiotherapie, Schmerztherapie oder gezielten Injektionen.
Diese nicht-operative Behandlung ist oft die schonendste Lösung. Wenn jedoch ein Eingriff notwendig wird, bietet die endoskopische Wirbelsäulenchirurgie eine besonders sanfte Alternative – mit guten Aussichten auf eine schnelle Rückkehr in den Alltag.
Nach Einschätzung der Experten wird dieses Verfahren in Zukunft einen festen Platz in der Wirbelsäulenchirurgie einnehmen.
→ Hier geht es zum BZ-Beitrag.






















